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Pressekritiken

Karten auf den Tisch

Artikel vom 23.10.2008

Premiere beim Neugereuter Theäterle: Gestern legte das Ensemble um den Regisseur Jürgen Massenberg im wahrsten Sinne des Wortes "die Karten auf den Tisch", präsentierte, was nach achtmonatiger Vorbereitung, nach vielen Proben dem Publikum gezeigt werden konnte. Ein Kriminalstück war es, eines von einer Meisterin dieses Genres namens Agathe Christie, die dieses Stück ihrem Detektiv-Helden Hercule Poirot 1936 auf den Leib geschrieben hatte, jenem Detektiv der akribisch und mit überraschenden Methoden weltweit schwierige Kriminalfälle löste, ja bis heute löst. Agathe Christie wird auch künftig noch rund um den Globus gespielt, verfilmt werden - gestern war es in Neugereut mit "Karten auf den Tisch" soweit.

Es ist leicht gewöhnungsbedürftig, wenn die Personen des Originals "Cards on the table" schwäbisch parlierend, statt Bridge, Binokel spielend, die Bühne im Rupert-Mayer-Saal bevölkern. Die Neugereuter haben da ja schon eine kleine Tradition aufgebaut, die Handlungen britischer und amerikanischer Stücke in hiesige Landstriche zu transferieren - auch diesmal ist dies gelungen. Da wird aus dem Lebemann und Zyniker Christies Mr. Shaitana der Stuttgarter Fabrikant Stattmann ( Roland Reuter) und Herrcule Poirot heißt in Neugereut Kommissar Ode (Stefan Gruber). Dieser Stattmann wird während einer Party mit dem Messer gemeuchelt und alle Binokel spielenden Gäste können es gewesen sein. Da ist der Schönheitschirurg Abele, der Dreck am Stecken hat und schon deshalb als Täter in Frage kommen könnte, weil er der Namensvetter des Altbezirksvorstehers Ludwig Abele ist, der dazu mit seiner Frau im Publikum anwesend war. Da war der Major Pfleiderer (Berthold Guth), der äußerst verdächtig ist, weil er sich zwar Mayor nennt aber nur die Dienstgradabzeichen eines Leutnants trägt, dazu noch die falsche Paspelierung an der Mütze trägt. Ernestine Lämmle (Diane Schneider), die Dame von Welt, aber ohne Geld kommt in Frage, Erika von Weinheimer (Dorothea Gruber) scheidet bald aus dem Kreis der Verdächtigen aus, weil sie selber Opfer wird . . . und dazwischen die Kriminalschriftstellerin Hulda Buffle (Christine Melchert), die beim Publikum sehr zur Verunsicherung bei der Tätersuche beiträgt, denn sie befindet immer wieder andere Personen als den Täter, die Täterin.

Mehr wird zur Handlung nicht verraten. Die Dramaturgie war so angelegt, dass das Premierenpublikum genügend Gesprächsstoff in der Pause in Sachen Täterfindung hatte. Charlotte Sander, Pfarrerin von Mühlhausen machte es sich einfach, tippte auf den Gärtner, weil dieser Berufsstand in vielen Kriminalstücken meist die Finger im Geschehen hat. Frau Sanders Pech - ein Gärtner war diesmal unter den elf Rollen nicht zu finden.

Ja die komplette Rathausriege von Mühlhausen war anwesend - der Chef Bernd Marcel Löffler, seine Vize Andrea Lindel, jeweils mit Partnern und die Rathauschefin Renate Schilling aus Münster mit Partner. Alle machten sich in der Pause spekulierend auf Mörderjagd. Dazu - wie es sich für eine Premiere in Neugereut gehört - Mitglieder des Bezirksbeirates, Vereinsvorstände und, und, und ...

Diese lokale Kultureinrichtung, das Neugereuter Theäterle hat diese Aufwartung auch verdient, denn zum einen präsentierten wieder durchweg überzeugende Schauspieler einen kurzweiligen, gelungenen Theaterabend - weit weg vom Fernsehapparat. Schon das ist eine hohe kulturelle Tat.

Am 25. Oktober, am 15. November gleich zweimal, am 22. November, am 5. und 6. Dezember kann man sich diesen Genuss noch in diesem Jahr gönnen. Kartenvorbestellung unter 535125.

Hans Peter Schneider

lokales-live.de