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Pressekritiken

Karten auf den Tisch

Artikel vom 23.10.2008

(rw) - Als am Freitagabend das Licht ausgegangen war im Rupert-Mayer-Saal vom Haus St. Monika, erklärte eine Stimme, dass sie Agatha Christie sei und alle Personen des folgenden Stückes selbst gekannt habe. Als dann der Vorhang zur Premiere aufging, hieß die Kriminalautorin Hulda Buffle und sah aus wie Miss Marple in den Fernsehkrimis und sprach Schwäbisch. Es war Christine Melchert - und die verspricht Theater, wie ’ s die Zuschauer mögen im „Neugereuter Theäterle“, das unter der Leitung von Jürgen Massenberg seit 18 Jahren bodenständige Unterhaltung bietet, an der selbst Reich-Ranicki nichts zu kritteln hätte. Deshalb hat die engagierte Truppe letztes Jahr auch den „Bürgerpreis 2007“ für ihre „Nachhaltigkeit“ bekommen und dieses Jahr obendrein den „Mittelstandspreis für soziale Verantwortung“. Darauf sind die Theateramateure schon ein wenig stolz: Die Urkunden hängen im Schaukasten neben dem Saaleingang.

Stolz ist in dem amüsanten Kriminalstück „Karten auf den Tisch“ auch Herr Stattmann (Roland Reuter) auf die „Prachtstücke“ seiner Trophäensammlung an der Wohnzimmerwand, - allerdings nur in der ersten Szene, denn in der zweiten hängt er bereits tot in seinem Sessel, während seine vier Gäste ahnungslos in ihr Binokelspiel vertieft sind.

Wirklich ahnungslos können aber höchstens drei von ihnen sein, denn einer muss ja dem Gastgeber den Dolch in den Rücken gerammt haben. Diese Person herauszufinden, war nun Aufgabe der Amateurdetektivin und ihres Schulfreundes, des so harmlos wirkenden Kommissars Erik Ode (Stefan Gruber). Beide erledigten ihre Tätersuche in einer kurzweiligen Serie relativ knapper Szenen, die regelmäßig mit einem Knalleffekt endeten, bevor sich der Vorhang für eine Weile schloss und so den Zuschauern Gelegenheit zum investigativen Mitdenken gab - was einige bei der Premiere auch hörbar taten.

Das Verdachtsfeld war dadurch abgesteckt, dass der erpresserische Sadist Stattmann angedeutet hatte, dass jeder der vier Kartenspieler einen unentdeckten Mord begangen habe. Es ging also gleich um sechs Verbrechen auf einmal. Natürlich konnte zum Schluss der diensteifrige Verwandlungskünstler Michael Peters als Assistent Fingerhut die Handschellen hervorholen, während er mit der plötzlich aufstrahlenden Eva Kleih schäkerte, die vorher als Hermine etwas verhärmt durch den Salon gestakst war.

Wer aber war ’ s, der abgeführt wurde? Der draufgängerische Major Pfleiderer etwa, dem Berthold Guth uniformierte Seriosität verlieh? Oder Erika von Wolkenheimer, die distinguierte Dame, die Dorothea Gruber überzeugend verkörperte? Oder Dr. Abele, in dessen Rolle sich Michael Idler austobte als arroganter Schönheitschirurg und charmanter Don Juan, der seine ihn hysterisch anhimmelnde Helferin (Janet Clauss) kalt ignorierte? Oder gar Ernestine Lämmle, die so anziehend schutzbedürftig von Diana Schneider dargestellt wurde, dass man verstand, warum die gutmütige Rosa Drews (Inka Bauer) sich ihrer angenommen hatte? Wer ’ s wissen will, kann ’ s im Neugereuter Theäterle erfahren. Nächste Vorstellungen: 25. Oktober, 20 Uhr, 15. November, 15 und 20 Uhr, 22. November, 20 Uhr, Haus St. Monika, Seeadlerstraße 7, Kartentelefon:53 51 25

Artikel in der Cannstatter Zeitung vom 22.10.2008