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Pressekritiken

Ein Schwälble macht noch keinen Sommer

Artikel vom 14.10.2009

Bericht der Cannstatter Zeitung vom 14.10.2009

(rw) - Als vor gut zwei Jahren das Neugereuter Theäterle den Pleitegeier am Horizont ausmachte, kam dem Ensemblemitglied Inka Bauer eine urschwäbische Rettungsidee: Statt Gema-Gebühren bezahlen zu müssen, könnten sie sich auch selbst ein Stück schreiben. Also setzte sie sich hin und verfasste die Komödie „Ein Schwälble macht noch keinen Sommer“, Jürgen Massenberg inszenierte den dramatischen Erstling und am Freitagabend gab´s tatsächlich im Haus St. Monika in Neugereut die erste Uraufführung der knapp 20 Jahre alten Laienbühne.

Dass das Premierenpublikum hellauf begeistert war, überraschte nicht, denn Bauer hatte die Rollen ihren neun Mitspielern geradezu auf den Leib geschrieben und mischte auch selbst als Oma Rosalind noch kräftig mit - bei dem Verwirrspiel um hochromantische Liebesbriefe, hinterhältige Versicherungsklauseln und drei zweckentfremdete grüne Keksdosen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen vergraben und dann wieder ausgebuddelt wurden.

Der unterhaltsame Blick auf das schwäbische Kleinbürgerleben ist also weniger auf den Einzug der Familie Schwälble in ihr neues Haus gerichtet, als vielmehr auf den Umgang mit der heimlichen Vergangenheit der ehrbaren Hausherrin, bis am Ende die neunjährige Svenja Plein als unbekümmert altkluge Nachbarsenkelin die Wiederherstellung der Gemeinschaftsidylle verkünden kann.

Es geht mithin um Doris Schwälble - eine Paraderolle für Christine Melchert, die nicht nur in gewohnter Weise antritt, um (notfalls als tatenlustiger Gartenzwerg) alle Probleme souverän zu meistern, sondern so sehr unter Druck gerät, dass sie scheinbar selbst zum medizinischen Notfall wird. Dadurch fühlt sich sogar ihr Ehemann (Stefan Gruber) genötigt, erstmals kopfschüttelnd als Hausmann Hand anzulegen, während ihre Tochter Carina (Caroline Weißbach) in ungebrochener Fröhlichkeit die elterlichen Marotten zwar zur Kenntnis, aber nicht ernst nimmt.

Welch böse Folgen gutgemeinte Nachbarschaftshilfe haben kann, zeigen die Kimmichs: Ein Schrank rutscht auf den Fuß von Wilhelm (Bertold Guth). Danach humpelte dieser erst heroisch duldend ins Nachbarhaus, entwickelte dann aber im Rollstuhl stetig wachsende Pflege- und Schadensersatzansprüche. Und auch die Hefekranzfreundschaft seiner Frau (Dorothea Gruber) wandelte sich zu erpresserischen Erwartungen und männerfeindlicher Komplizenschaft, während ihre Tochter Barbara (Angelika Plein), meist voll guten Willens aber ohne Ahnung auf der Bühne herumlief.

Bleibt noch Richard Möwenscherz (Jürgen Massenberg), der Bösewicht, der allen Frauen den Kopf verdreht, und mit seiner Nichte Susanne (Diana Schneider) bei Umzügen abräumt, was immer sie zu fassen bekommen. Wie ein Irrwisch fegte er vielgesichtig durch das Heim der Schwälbles, sorgte für viel Aufregung und Durcheinander, um nach misslungener Tat ins Dunkel abzutauchen. Erst zum wohlverdienten Schlussbeifall stand er dann mit den anderen wieder auf der Bühne.