


Neugereuter Theäterle e.V.
Schneideräckerstrasse 57
70378 Stuttgart
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Artikel vom 03.08.2010
Cannstatter Zeitung vom 24.03.2010
Arsen, Spaß ond Spitzahäuble
Neugereut : Das Neugereuter Theäterle feierte sein 20-jähriges Jubiläum mit einer neuen Kriminalkomödie in St. Monika
Mit „Arsen ond Spitzahäuble“ hat das Neugereuter Theäterle sein 20-jähriges Bestehen gefeiert und mit dem neuen Bühnenstück wiederum das Publikum begeistert.
Von Rolf Wenzel
Am 20. März 1990 gründeten acht theaterbegeisterte Neugereuter das „Theäterle“. Drei davon wurden der harte Kern des erfolgreichen Amateurtheaters und standen auch am Samstagabend im Mittelpunkt der Jubiläumspremiere. Berthold Guth begrüßte strahlend die geladenen Gäste zum Festakt, allen voran Ursula Keck, die Oberbürgermeisterin von Kornwestheim, vormalige Bezirksvorsteherin von Mühlhausen, und den Caritasdirektor Ulrich Ahlert als Hausherrn. Regisseur Jürgen Massenberg hatte das mundartgefärbte Premierenstück „Arsen ond Spitzahäuble“ einstudiert, so dass Christine Melchert als Alma Brauer - in harmloser Freundlichkeit geübt wie eh und je - es allen zeigen konnte, wo es lang geht auf der Bühne des Heims Sankt Monika. Deshalb verlieh Iris Berghold, die im Landesverband Amateurtheater für die „Mundart“ zuständig ist, dem Trio, Berthold Guth, Jürgen Massenberg und Christine Melchert je eine silberne Ehrennadel. Berghold lobte die Qualität, Vielseitigkeit und die Konstanz ihrer Theaterarbeit und das soziale Engagement der Gruppe und ehrte gerne noch weitere 13 Mitglieder für ihre langjährige „bewegende und erfreuliche Arbeit“ auf und hinter der Bühne. Vor dem Vorhang „hielt“ Schwester Lissy von St. Monika fröhlich „ein Grußwort“ „für 18 gemeinsame Jahre“ auf zwei Tafeln in die Höhe, weil das Haus stolz darauf ist, ein „Pflegeheim mit fester Bühne“ zu sein. Auch Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler betonte die integrative Leistung des Theaters als „Teil unserer Stadtgesellschaft“, weil hier Schwäbisch nicht als „museale Mundart“, sondern als „angewandte Sprache“ gepflegt wird, denn Samstagsabends - so der Bezirksvorsteher - „sagt`s Mütterle zum Väterle, komm gang a mir ens Theäterle“. Dort beschwört jetzt also die Kriminalkomödie „Arsen ond Spitzahäuble“ den „Geist von Hofen“, denn die Jubilare haben kurzerhand den Klassiker lokal aktualisiert. Ihr „soziales Engagement“ bringt die umtriebige Alma und ihre fürsorgliche Schwester Martha (Dorothea Gruber) dazu, Menschen ohne Angehörige mit einem allerletzten Glas Holunderwein aus ihrer Einsamkeit zu „erlösen“. Die Entsorgung der Leichen erfolgt im Keller, wo ihr irrer Bruder Tim (als Eisenbahn-Oberbaurat unbeirrt im Dienst: Stefan Gruber) jeweils ein neues Weichenbett für die Geislinger Steige ausheben muss. Das ist alles in fröhlicher Ordnung, bis der Mörder-Neffe Jonathan (infernalisch giftend: Michael Idler) mit seiner Kumpanin Dr. Einstein (Eva Kleih) bei den Tanten untertauchen will - und den Hausrekord von zwölf Leichen im Keller egalisiert. Das bringt den „guten“ Neffen Eduard (Thomas Müller) in höchste Gefahr, weil dieser als betriebsblinder Theaterkritiker dem Mörderduo geradezu Handlungsanweisungen gibt, um mit ihm als 13. Opfer in Führung zu gehen. Doch weil es eine Komödie ist, bleibt Eduard seiner Braut Helene (Katja Eberrant-Volzer) erhalten und Berthold Guth kann wieder einmal als Kommissar auf seine gelassene Art für Gerechtigkeit sorgen. Das Publikum dankte mit tosendem Beifall für das unterhaltsame Jonglieren mit Spannung, Moral und Wahnsinn, für die amüsanten Anspielungen und die engagierte Spielfreude, mit der alle Akteure ihre dramatischen Konfrontationen austrugen. So wird man in Neugereut auch weiterhin samstags gerne ins Theäterle gehen wollen.
Montag, 22. März 2010 - Theater
20 Jahre Neugereuter Theäterle - "Arsen und Spitzahäuble"
Am 20. März 1990 wurde von acht theaterbegeisterten Bürgern in Neugereut das "Neugereuter Theäterle" gegründet. 20 Jahre danach wurde am Samstag im Rupert-Mayer-Saal des Hauses St. Monika in Neugereut Geburtstag gefeiert. Natürlich waren nicht alle 62.000 Besucher da, die seit der Gründung die Vorstellungen der Neugereuter Theatermacher besucht hatten, aber der Saal war voll und die Liste der prominenten Gäste war lang.
Da wurde die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck gesichtet, vor ihrer Zeit auf dem Rathauschefsessel der Nachbarstadt langjährige Mühlhausener Bezirksvorsteherin. Mitgefeiert hat der ehemalige Finanzbürgermeister der Landeshauptstadt Dieter Blessing, der FDP-Kreisvorsitzende Armin Serwani, die Mitglieder des Gemeinderates Rose von Stein (FDP), Beate Bulle-Schmid (CDU), Ursula Pfau (CDU) und Manfred Kanzleiter (SPD). Gesichtet wurden die Bezirksvorsteherin von Münster Renate Schilling, ihr Kollege aus dem Stadtbezirk Mühlhausen Bernd-Marcel Löffler und der Untertürkheimer Rathauschef Klaus Eggert. Die beiden Pfarrer Veser und Rudolf machten ihre Aufwartung ebenso, wie die Schulleiterin der Jörg-Ratgeb-Schule, Brigitte Liebelt. Die Fraktionschefs von CDU (Johannes Schlichter)und SPD (Johannes Jäger)im Bezirksbeirat, der Vorsitzende vom Bürgerverein Berthold Petri, viele Repräsentanten von Neugereuter Vereinen und Einrichtungen - alle waren sie gekommen, um den Geburtstag einer Einrichtung zu feiern, die aus kleinsten Anfängen heraus inzwischen weit über Neugereut, den Stadtbezirk hinaus zu einer bedeutenden, kulturellen Institution geworden ist.
Drei der Gründungsmitgliedersind heute noch aktiv - und zwar durchaus an herausragender Stelle. Jürgen Massenberg, Theaterpädagoge führt Regie, steht selbst auf der Bühne und bekleidet das Amt des ersten Vorsitzenden. Berthold Guth macht die Öffentlichkeitsarbeit für die Einrichtung und wird in den meisten Stücken als Schauspieler besetzt, genau wie die unvergleichliche Christine Melchert, die am Jubiläumsabend in einer ihr auf den Leib geschriebenen Paraderolle glänzte.
Berthold Guthnannte in seiner Begrüßung als Aufgabe des Theaters, den Menschen Entspannung und Spannung zu bieten - aber auch Interessierten die Gelegenheit zu geben, die darstellende Kunst zu erlernen". Diese Möglichkeit haben einige wahrgenommen, denn das Theater hat derzeit rund 40 Mitglieder, darunter neben den notwendigen Technikern und Ausstattern eine ganze Bandbreite von Schauspielern und Schauspielerinnen.
So ein Jubiläum, so ein Geburtstag ist aber auch immer der Anlass, verdiente Menschen zu ehren, auszuzeichnen. Dies tat als Repräsentantin des Amateurtheaterverbandes Baden/WürttembergIris Bergholz, die Waldemar Kraus, Angelika Plein, Ulrich Plein, Margret Dickhoff, Klaus Amann, Maria Kastenholz, Gertrud Frisch, Dorothea Gruber, Stefan Gruber, Doris Amann, Erhard Schlag, Helga Graf, Christine Melcher, Berthold Guth und Jürgen Massenberg mit Ehrennadeln und Urkunden auszeichnete. Als Vertreterin des Spielstättenbesitzers, des Caritasverbandes überbrachte Schwester Lissy die Grüße ihrer Einrichtung und den Dank, dass das Theaterle gerade die Bewohnern des Heimes an ihrer kulturellen Arbeit teilhaben lassen. Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler lobtedas besondere Engagement der Neugereuter Theateraktivisten um die Pflege der schwäbischen Sprache, die es in ihren vielen Nuancen zu erhalten gelte. Das Neugereuter Theäterle leiste auf diesem Gebietvorbildliche Arbeit. Lob auch von Löffler für das soziale Engagement des Theaters und seiner Mitglieder. So spielt das Theäterle das Jahr über in Seniorenheimen, beteiligt sich an Benefizvorstellungen für Institutionen, Vereine und Kirchen. Man spielt für KEKS eV, Trott-war, die Obdachlosenzeitung, Kinderkrebshilfe, aber auch für die Renovierung der Hofener St. Barbara Kirche. Gerade dieses soziale Engagement hat dem Verein schon einige öffentliche Anerkennungen eingebracht. Aber es wurde nicht nur geredet, auf den Jubilar angestoßen.
Es wurde - was in der Natur der Sache lag -eben auch Theater gespielt. Auf dem Programm stand die Premiere der schwärzesten und brillantesten Komödie dieses Genres. "Arsen und Spitzenhäubchen" heißt das Stück des Amerikaners mit deutschen Wurzeln namens Josef Kesselring. Dieses Stück kam 1941 auf den Broadway und erlebte dort bis zum Jahre 1944 exakt 1.444 Vorstellungen, ehe Frank Capra mit dem unvergleichlichen Gary Grant in der Rolle des Mortimers einen Kassenknülleraufs Zelluloid bannte, der heute noch Geld einspielt, obwohl in fast jeder kennt. Natürlich wird die Handlung beim Neugereuter Theäterle von der amerikanischen Ostküste in eine Gemeinde im Schwäbischenverlegt und Teddy Brewster heißt in Neugereut Tim Brauer und er hebt im Keller nicht den Panama-Kanal aus, sondern die Gleisbette der Geislinger Steige. Turbulent und äußerst unterhaltsam geht es zu, bis die Beteiligten endlich dorthin kommen, wo sie der Besucher schon lange hinwünscht. Die Besetzungsliste ist lang - Christine Melchert und Dorothea Gruber verkörpern die beiden "harmlosen" alten Tanten sehr gekonnt, Stefan Gruberals Tim zelebriert seine unüberhörbaren Auftritte sehr zur Freude des Publikums. Thomas Müller gibt einen überzeugenden Nichtirren in der Rolle des Eduard und es war erfreulich, Katja Eberrant-Volzer wieder mal auf den Neugereuter Brettern zu sehen. Michael Idler war ein sehr gut agierender Serienmörder ... mehr soll nicht verraten werden, denn auch für jene, die den Film kennen - in Neugereut können die Giftmordkenntnisse ganz nahund- um ein Modewort zu benutzen - nachhaltig aufgefrischt werden.
Text: Hans Peter Schneider