


Neugereuter Theäterle e.V.
Schneideräckerstrasse 57
70378 Stuttgart
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Artikel vom 11.02.2007
Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung vom 11.10.2006
Treffsichere Komik geboten
Neugereut: Gelungene Premiere im Neugereuter Theäterle mit "Lensa, Spätzla ond Toskana
VON DIETRICH POHL
Die Boulevard-Komödie -"Lensa mit Spätzla ond Toskana" feierte am Wochenende im Haus St. Monika beim Neugereuter Theäterle seine Premiere.
Das schwäbische Schauspiel hat auch zehn Jahre nach der Uraufführung nichts an Komik und Wahrheitsgehalt eingebüßt. Regisseur und Autor
Jürgen Massenberg wagte sich an eine Neuinszenierung. Der Blick geht ins Esszimmer einer bäuerlichen Ferienwohnung in der Toskana.
Eng, altbacken, spartanisch: Trinkwasser tröpfelt aus einem Plastikkanister, im Bad gibt es nur kaltes Wasser. Zwei Stuttgarter Ehepaare
machen dort Urlaub: Günter und Eva Blümle, alias Stefan Gruber und Christine Melchert, treffen nach elfstündiger Autofahrt mit heimischer
Dosenkost im Gepäck ein. Beide tragen T-Shirts mit dem Aufdruck "I am sensible", bewegen sich jedoch im italienischen Ambiente bisweilen
wie Elefanten im Porzellanladen. Eva stimmt von der Umgebung inspiriert "Weiße Rosen aus Athen" an, Günter ist sich sicher: "Italiener
sind faule Säcke". Von denen will er sich nicht übers Ohr hauen lassen und wird am Ende finanziell doch über den Tisch gezogen.
Rainer und Irene Ruggaber, gespielt vonKlaus Amannund Angelika Plein, reisen umweltbewusst mit dem Autoreisezug an, der
Ehemann schwört auf Biomüsli und Vollwertkost. Ein Zusammentreffen, das schon Stoff genug für amüsante Konflikte birgt. Doch der
geschäftstüchtige Bauer Lorenzo Amati aliasJürgen Massenberghat auch das dritte Zimmer vermietet, an die Schriftstellerin Henriette
Bastian und ihre Tochter Anette, gespielt von Inka Bauer und Kat ja Eberrant. Schnell zeigt sich: Henriette ist eine aus Irene
Ruggabers Familie hinausgeworfene Tante, das "schwarze Schaf", sie ist Schriftstellerin, fünf Mal war sie verheiratet.
Als Eva ein Auge auf Lorenzo und Rainer ein Auge auf Anette wirft, nimmt flüchtiges Urlaubsglück seinen Verlauf, mit der von
Rechtsanwalt Daniel Richthofen alias Berthold Guth gegen Rainer angedrohten Vaterschaftsklage mündet es in handfestem Ehekrach.
Reichlich Material für turbulente Verwicklungen, an deren Schluss eine überraschende Wendung steht, die beim Zuschauer wieder für
klaren Blick sorgt: Die Ehepaare versöhnen sich und packen die Koffer,doch die angebliche Klage stellt sich als Masche, als abgekartetes
Spiel heraus, um Urlauber abzuzocken, die nur zwei Tage blieben und schon drei Wochen bezahlt hatten, wie auch das Theaterstück selbst
nur ein Spiel ist mit solch klischeehaften Figuren, seiner überspitzten Szenerie, seinem konstruierten Handlungsablauf. "Liebe und Glück
findet man nicht in der Toskana, sondern muss man sich erkämpfen, nicht im Romanhimmel, sondern auf Erden", lautet Günter Blümles so gar
nicht triviale Einsicht, ausgerechnet von der Figur, die über weite Strecken der größte Tollpatsch zu sein schien. "Lensa, Spätzla ond
Toskana" ist auch für Reigschmeckte verstehbar und unterhält den Zuschauer mit treffsicherer Komik, anwachsendem Tempo und einem
schlüssigen Spannungsbogen. Aus den guten schauspielerischen Leistungen der Darsteller stach besonders Christine Melchert als Eva Blümle
mit ihrer ausdrucksstarken Mimik, Gestik und Intonation hervor. Das Drama entpuppte sich als volkstümliches Lustspiel im besten Sinne, das
beim Publikum gut ankam.