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Wie man fällt, so liebt man

Artikel vom 06.04.2008

lokales-live.de – Lokal Kultur, Artikel vom Sonntag, 06.04.2008 „Wie man fällt, so liebt man“ Wenn man in der Intendanz eines Theaters auf die Idee kommt, ein Stück des Amerikaners Donald R. Wilde auf den Spielplan zu setzen, dann tut man gut daran. Wilde ist ein Repräsentant jener leichten anglophilen Komödien mit hintergründigem Humor, mit Witz, der nicht platt ist, der Esprite beim Akteur fordert, beim Zuschauer voraussetzt. Nicht umsonst ist das erste Stück des Kaliforniers in Deutschland erstmals in den Hamburger Kammerspielen aufgeführt worden – mit der legendären Ida Ehre selig in der Hauptrolle. Wilhelm Richter (Jürgen Massenberg) lebt nach dem Tode seiner Frau allein. Er steht unter der Fuchtel besonders seiner Tochter Dora ( Angelika Plein), hat auf eine Kontaktanzeige geantwortet, trifft sich mit der strapaziösen Bella Prokopp (Inka Bauer) in einem Restaurant und bricht sich auf der Flucht vor den Zudringlichkeiten der wilden Bella das Bein. Zuhause verfügen die beiden Töchter - nachdem er den Gang ins Pflegeheim verweigert – die Einstellung der Haushälterin Karola Lehnbach (Christine Melchert). Mit seinen ewigen Nörgeleien macht er Karola das Leben schwer, diese lässt sich aber von dem Querulanten nicht die Butter vom Brot nehmen. In der für das Neugereuter Theäterle gemachten Version erleben die Zuschauer, wie sich die Beiden näher kommen, wie aus dem Griesgram, dem Nörgler ein aufmerksamer, liebevoller Gentleman wird. Jürgen Massenberg, der auch Regie führt, musste kurzfristig vor der Premiere für den verletzten Stefan Gruber einspringen und legt einen Single hin, der umwerfend um die Bequemlichkeiten seines Standes kämpft. Oft sind es nicht die Worte, sondern die Gesten, der Gesichtsausdruck, die den Blick in die Gemütswelt des Wilhelm Richter zulassen. In der Tat – der Massenberg spielt wirklich die Hauptrolle. Angelika Plein gibt überzeugend die Workaholic-Mutter zweier Kinder, die sehr bestimmend das Beste für den Vater möchte, aber letztlich scheitert. Inka Bauer ist der überzeugende schrille Grund für den Fall, an dessen Folgen letztlich alle Gefallen finden. Christine Melchert ist überzeugend die nicht aus der Ruhe zu bringende, den Delinquenten durchschauende Haushälterin, die mit Charme, Witz und Hirn eine Karriere als „Konkubine“ anstrebt. Mit Janet Clauss als zweite Tochter und Svenja Plein und Marvin Ereme stehen wahrlich Nachwuchsakteure auf der Bühne des Rupert-Mayer-Saals, die belegen, dass Theaterspielen beim Neugereuter Theäterle Zukunft hat – gut für das Ensemble und für die Zuschauer. Dies belegt der lang anhaltende Beifall aus dem ausverkauften Zuschauerraum am Ende der zweieinhalbstündigen Vorstellung. Am 12. April um 20 Uhr, am 26. April gleich zweimal (15 und 20 Uhr) ist das Stück „ Wie man fällt, so liebt man“ erneut zu erleben, ferner am 30. und 31. Mai jeweils um 20 Uhr, am 7. Juni um 16 Uhr und am 20 Uhr. Karten für mehr aus zwei vergnügliche Stunden gibt es unter Telefon: 535125 – mit dem Fax 03221-2362021 geht’s auch. Hans Peter Schneider